09. November 2018 | NetZwerg

World Usability Day: UX Design for good or evil?

Wann führt Design zu einem positiven, wann zu einem negativen Gefühl? Unser UX-Designer Viktor war beim World Usability Day in der TH Köln und hat spannenden Input mitgebracht.

Wann ist das Nutzererlebnis positiv?

Die User Experience soll positiv sein, da wird wohl kaum jemand widersprechen. Die Frage ist jedoch: Zahlt jedes UX-Konzept wirklich darauf ein? Ein prägnantes und anschauliches Beispiel für ein negatives Nutzererlebnis liefert ein soziales Netzwerk, wenn man z. B. die Standortbestimmung abschalten und damit seine preisgegebenen Daten reduzieren möchte. Hier erscheint ein Fenster mit der Frage „Are you sure?“. „Schon allein dadurch wird Usern suggeriert, etwas falsch gemacht zu haben“, erklärt Viktor. Es geht aber noch weiter: Der hervorgehobene Button ist nicht der Yes-, sondern der No-Button. Das Ziel des sozialen Netzwerks ist damit klar, das macht aber die User Experience sicherlich nicht zum „Design for good“. Es steht hier nicht der User im Fokus, sondern das Interesse des Anbieters, die Daten zu behalten. Sich das positive Nutzererlebnis als UX-Konzepter und -Designer bei jedem Projekt bewusst zu machen und umzusetzen, heißt, soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen – so der Tenor des Vortrags.

Wie die mobile User Experience zur guten Erfahrung wird

Mobiles Nutzererlebnis unterscheidet sich oft darin, dass User kürzer mit dem Mobilgerät interagieren als am großen Bildschirm. „Damit die Nutzung trotzdem als positiv und sinnvoll wahrgenommen wird und lange im Gedächtnis bleibt, muss die Konzeption grundsätzlich so nah wie möglich am User orientiert sein“, so Viktor. Besonders (aber nicht nur) bei Projekten, die auf eine ganz konkrete Nutzergruppe zugeschnitten werden sollen, empfiehlt sich zusätzlich zur Anforderungsanalyse durch Business-Analysten der Austausch zwischen UX-Designer und Endnutzer. Damit erfährt der UX-Designer direkt vom Anwender und noch vor der Konzeptionsphase, welche Elemente für eine positive Nutzererfahrung notwendig sind. Im Design-Sprint nach Google hingegen kommt der User erst nach der Entwicklung eines Prototyps ins Spiel, wenn es in die Testing-Phase geht. Das wiederum kann dazu führen, dass weitere Schleifen notwendig sind, bis das bestmögliche Nutzererlebnis erreicht ist. Es lohnt sich für UX-Designer also, sich schon vorab die Wünsche und Bedürfnisse des Users anzusehen.

AGB und positive Nutzererfahrung: Lässt sich das vereinen?

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Web-Anwendungen sind hinsichtlich UX echte Stiefkinder. Mehr als eine Textwüste mit juristischen Formulierungen und ein Pflichtfeld zur Bestätigung erwartet User in der Regel nicht. Die wenigsten davon wissen wirklich, welchen Klauseln sie überhaupt zustimmen. „Im Vortrag ging es unter anderem darum, ob man für eine bestimmte Anwendung, zum Beispiel innerhalb einer App, nur einen Teil der AGB bestätigen lässt und diesen Teil dann nutzerfreundlicher aufbereitet. Damit könnte man ungenutztes Interaktionspotenzial mit dem User aufgreifen“, fasst Viktor zusammen. Hier sei dann das Maß entscheidend, um eine wirklich positive Nutzererfahrung zu gewährleisten: „Zu viele Bestätigungen einzelner Teile der AGB innerhalb einer Anwendung können auch das Gegenteil bewirken. Insofern war das ein spannendes und kontrovers diskutiertes Thema.“

Mehr zum Event finden Sie auf den Seiten des Berufsverbands der deutschen Usability und User Experience Professionals.

Kontaktformular