DAI Studie: Privatanleger in börsennotierten Unternehmen
Zusammen mit dem Deutschen Aktieninstitut die Ergebnisse haben wir eine Studie zum Thema „Privataktionäre in börsennotierten Unternehmen“ durchgeführt. Ziel der Untersuchung war es, die Bedeutung privater Anleger für börsennotierte Konzerne genauer zu beleuchten.
Welche Investor Relations-Instrumente werden eingesetzt, um diese Zielgruppe anzusprechen? Welche Gründe sind aus Unternehmenssicht für die im internationalen Vergleich geringe Anzahl an deutschen Privataktionären auschlaggebend?
Hierzu wurden 584 Gesellschaften des Prime- und General-Standard der Frankfurter Wertpapierbörse in einer Online-Umfrage angesprochen und zu ihrer Meinung befragt. Dabei beweist die hohe Rücklaufquote von 20 Prozent, vor allem aus den Indizes DAX, MDAX und SDAX, dass das Thema „Privataktionär“ insbesondere für diese Unternehmen von gesteigertem Interesse ist.
Je kleiner die Gesellschaft, desto höher der Anteil der Privatanleger
Durchschnittlich sind erstaunliche 25 Prozent des Grundkapitals fest in Privataktionärshand. Es gilt: Je kleiner ein Konzern, desto größer der Anteil an Privatanteilseignern. Dabei schätzen Unternehmen vor allem die Privataktionäre aufgrund ihrer langfristigen Anlagestrategie und des vergleichsweise geringen Dialog-Aufwands. Im Vergleich: Der Anteil der Belegschaftsaktionäre liegt gerade einmal bei knapp 3 Prozent.
Die direkte Kommunikation ist der Königsweg
E-Mail und Telefon sind die Mittel der Wahl von Privatanlegern, um mit der jeweiligen IR-Abteilung in den Dialog zu treten – dicht gefolgt von der IR-Website. Dieses Vorgehen wird von Seiten der Konzerne sehr geschätzt, da sich so die Gelegenheit bietet, die Unternehmensbotschaften ohne nennenswerten Streuverlust direkt beim Privataktionär zu platzieren. Weiterhin wird auch die Ansprache über Multiplikatoren, wie beispielsweise die Presse, oder die Veröffentlichung von Pflichtinformationen in Geschäftsberichten als durchaus effektiv eingeschätzt. Lediglich 15 Prozent der Studienteilnehmer gaben allerdings an, ihre Geschäftsberichte privatanlegergerecht aufzubereiten.
Abgeltungssteuer negativ für Aktienakzeptanz
Einzelne Bestandteile des zu Beginn dieses Jahres in Kraft getretenen Abgeltungssteuerpakets schätzen die Umfrageteilnehmer ebenfalls negativ ein. So ist beispielsweise die uneingeschränkte Besteuerung der Kursgewinne aus Konzernsicht eindeutig kontraproduktiv für die Aktienakzeptanz bei Privatanlegern. Andere, gesetzlich geregelte Maßnahmen wie beispielsweise die Verbesserung der steuerlichen Förderungen von Mitarbeiterkapitalbeteiligungen oder die erweiterten Möglichkeiten zur Abstimmung bei der Hauptversammlung, werden gerade einmal schwach positiv bewertet.
Zahl der Direktaktionäre wird zunehmen
Die seit dem Jahr 2000 deutlich rückläufige Zahl der Direktaktionäre wird hingegen nach Meinung der Befragten künftig wieder ansteigen, was auf ein großes Vertrauen der Unternehmen in die langfristige Rentabilität der Aktie schließen lässt. Dies ist jedoch abhängig von weiteren politischen Entscheidungen, denn die Pläne zur Einführung einer Börsenumsatzsteuer würden gemäß der Studienergebnisse eindeutig schädlich für die Aktienakzeptanz von Privatanlegern sein.
Fazit der Studie
Auf Basis der Studienresultate lassen sich einige Handlungsempfehlungen sowohl für den Gesetzgeber, als auch für Konzerne ableiten, die der Akzeptanz von Wertpapieren unter Privatanlegern einen deutlichen Vorschub leisten würden.
So wäre beispielsweise eine Reform der Abgeltungssteuer notwendig, um in Zukunft die Bedeutung der Aktie als Instrument der Vermögensbildung nachhaltig zu stärken. Dies, in Kombination mit einer Ausweitung der steuerlichen Förderung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung, würde nach Ansicht der Umfrageteilnehmer den Stellenwert der Aktie im Kapitalmarkt deutlich erhöhen. Darüber hinaus sollten seitens der Politik Bildungsangebote für die breite Bevölkerungsschicht geschaffen werden, um den finanziellen Bildungsstand der Allgemeinheit zu verbessern. Denkbar wären in diesem Zusammenhang sowohl Einrichtungen zur Erwachsenenbildung sowie die Einführung des Schulfachs „Ökonomie“.
Darüber hinaus ist es dringend angezeigt, auch die Kommunikation für und den Dialog mit Privatinvestoren zu optimieren. So sollte beispielsweise das Internet als reichweitenstarkes Medium verstärkter in die Zielgruppenansprache implementiert werden.
Um die Effizienz der, auf den IR-Websites angebotenen anlegerrelevanten Informationen zu erhöhen, ist es seitens der Konzerne ratsam die Informationsbereitstellung zu zentralisieren, um stringente Online-Inhalte anbieten zu können. Auch dem sich stetig wandelnden Kommunikationsverhalten der Privatinvestoren sollte zukünftig verstärkt Rechnung getragen werden, in dem vermehrt moderne Kommunikationsinstrumente wie beispielsweise Web2.0-Inhalte zum Einsatz gebracht werden.
Außerdem ist das Einholen von Nutzerfeedbacks von besonderer Bedeutung, denn die intensive Nutzung von Umfrageinstrumenten, erweist sich erfahrungsgemäß als überaus hilfreich, um den Dialog mit Privatanlegern noch effizienter zu gestalten und diesen so optimal an die Bedürfnisse anzupassen.
Die Studie können Sie auch bereits online einsehen:
Unter www.net-federation.de/privatanleger haben Sie die Möglichkeit, tiefere Einblicke in die Studie zu nehmen.
Oder sprechen Sie uns an – wir helfen Ihnen gerne weiter.
