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"Mystery-Mail" - Die Servicequalität der deutschen IR-Abteilungen auf dem Prüfstand
In ihrem jährlich durchgeführten Investor-Relations-Benchmark unter den 110 Unternehmen der drei großen deutschen Börsensegmente testet NetFederation unter anderem regelmäßig die Serviceleistungen der jeweiligen IR-Abteilungen. Dazu gehört in erster Linie die Verfügbarkeit der angegebenen Ansprechpartner und deren Reaktion auf Anfragen aus der Financial Community.
Viele Investor Relations-Teams bieten Investoren und Interessenten die Möglichkeit, ihre Anfragen per Mail zu schicken. Sinn macht dieser Service allerdings nur, wenn die eingegangenen E-Mails zeitnah und kompetent beantwortet werden. Dazu hat die NetFederation mit Hilfe einer "Mystery-Mail" nun schon zum vierten Mal getestet, welche der 110 Unternehmen die Online-Anfragen ihrer Kunden sorgfältig bearbeiten und bei welchen IR-Abteilungen die E-Mails im Posteingang verschwinden.
Bewertet wurden einerseits der Zeitrahmen, in welchem die Antwort erfolgte und im zweiten Schritt die inhaltliche Qualität der Antwort. Die folgende Übersicht zeigt im Jahresvergleich den prozentualen Anteil der Unternehmen, die generell antworteten, unabhängig von Qualität und Zeitpunkt der Antwort. Diese Einschränkung ist zunächst sinnvoll, um eine generelle Vergleichbarkeit der Jahre zu gewährleisten. Im nächsten Diagramm ist dann zu sehen, wie viele der generellen Antworten innerhalb von drei Tagen den Adressaten erreichten und wie viele verspätet eintrafen.

Abbildung 1 "Beantwortung E-Mail-Anfrage"
Beantwortung der E-Mail-Anfrage
Wie deutlich wird, war die Anzahl der antwortenden IR-Abteilungen im ersten Jahr der Durchführung mit insgesamt 91,8% sehr hoch. In den beiden folgenden Jahren waren die Antworten mit 68,2% und 67,3% auf dem Rückzug. Erst im Jahr 2006 stieg der Anteil wieder auf 84,5%.

Abbildung 2 "Antwortzeit"
Antwortzeit
Abbildung 2 zeigt, dass die Unternehmen, die generell geantwortet haben, sich in den letzten beiden Jahren mehr Zeit für die Beantwortung ließen. Die Anzahl der Antworten, die erst nach drei Tagen versendet wurden, ist 2005 deutlich angestiegen und auch 2006 trotz Rückgang immer noch größer als in den ersten beiden Jahren der Durchführung.
Wenn ein Mitglied der Financial Community Interesse an einem Unternehmen zeigt, ist es notwendig, dass das Unternehmen im Gegenzug Interesse an dieser Person beweist. Internet und E-Mails sind sehr schnelle Medien, daher kann mit Recht erwartet werden, dass Anfragen zügig und genau bearbeitet werden. In dem Fall gilt das Sprichwort "Zeit ist Geld" umso mehr, da sich im Interesse des Fragenden eine gewisse Kaufbereitschaft widerspiegelt, die schnell umschlagen kann, sollte der Wunsch nicht innerhalb kürzester Zeit erfüllt werden.
Im ersten und zweiten Jahr der Untersuchung, also 2003 und 2004, wurde nur geprüft, ob die E-Mail generell beantwortet wurde und wie lange das jeweilige Unternehmen sich dafür Zeit nahm. Da diese Kriterien aber nicht ausreichen, um die Servicebereitschaft einer IR-Abteilung zu beurteilen, wurden 2005 zwei neue Kriterien eingeführt.: "zeitnah", sprich innerhalb der nächsten 24 Stunden, und "inhaltlich korrekt", also ob die Antwort auch wirklich Bezug auf die Fragen nimmt und nicht nur auf den Geschäftsbericht oder die Website verweist. Abbildung 3 zeigt zunächst den prozentualen Anteil der IR-Abteilungen, die innerhalb von 24 Stunden geantwortet haben. Zusätzlich ist die Aufteilung der Gesamtheit von 49,3% 2005 und 62,4% 2006 auf die drei Börsensegmente ersichtlich.

Abbildung 3 "E-Mail zeitnah beantwortet"

Abbildung 4 "E-Mail korrekt beantwortet"
Korrekte Beantwortung der E-Mail-Anfrage
Schließlich ist aus Abbildung 4 erkennbar, dass im Jahr 2005 68% der Unternehmen, die geantwortet haben, auch korrekt auf die Fragen eingegangen sind. 2006 stieg die Zahl auf 88,2%. Damit wird deutlich, dass die Unternehmen im Großteil der Fälle sich zwar einige Zeit für ihre Antworten lassen, diese dann aber auch qualitativ eher gut ausfallen. Ein „Klassenprimus“ in dieser Kategorie konnte in jedem Jahr registriert werden, das heißt ein Unternehmen war immer dabei, das schon nach wenigen Minuten korrekt auf die Anfrage reagierte.
Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass im Laufe der letzten vier Jahre die Servicequalität der Investor-Relations-Abteilungen in Deutschland angestiegen ist. Fälle, in denen Unternehmen gar nicht oder sogar ungehalten auf E-Mail-Anfragen von Investoren und Interessierten reagieren bzw. nur auf Geschäftsbericht und/oder Unternehmenswebsite verweisen, werden immer seltener. Ob sich diese Entwicklung auch in der nächsten Durchführung des IR-Benchmark fortsetzen wird, bleibt mit Spannung abzuwarten.


