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YouTube – ein Blick in die Röhre

Köln, den 15. Oktober 2009 - NetFederation veröffentlicht eine Studie zur Unternehmenskommunikation der 110 DAX-, MDAX- und TecDAX-Konzerne auf der Video-Plattform YouTube. Untersucht wurde neben der Art und Weise des Kommunizierens via YouTube unter anderem auch das Design der Präsenzen, die Gestaltung der Channels sowie die Qualität des vorhandenen Clip-Materials.

Es ist nie zu spät

YouTube wurde lange als Tauschbörse für Videos schief singender oder spektakulär tanzender Sonderlinge eingestuft. Dabei kann die Plattform viel mehr – man muss es nur nutzen. So wie der 82-jährigen Peter, dessen Geschichte um die Welt ging. Der Rentner aus Mittelengland kümmert sich nicht, wie seine Altersgenossen, um seinen Garten oder trifft sich mit Freunden zum Angeln. Der rüstige Senior verbringt seinen Lebensabend damit, seine Geschichte zu erzählen - und zwar auf dem Video-Portal YouTube. Dort plaudert er seit nunmehr drei Jahren in wöchentlich bis zu sieben Clips über alles, was ihn in den vergangenen 82 Jahren bewegt hat. Und er videobloggt mit großem Erfolg: Seit dem Start im August 2006 wurde Peters YouTube-Channel fast 2.5 Millionen mal aufgerufen, inzwischen haben über 50.000 Menschen sein Videotagebuch per RSS-Feed abonniert. Das Beispiel des Silversurfers zeigt, wie einfach das „YouTuben“ im Grunde genommen ist. Anfangs als Forum zur Veröffentlichung ausschließlich privat erstellter Videos genutzt, ergreifen zunehmend auch große Firmen die Chance, sich auf dieser Plattform zu präsentieren. So arbeiten beispielsweise der Fußballverein FC Bayern München, das ZDF oder die Tageszeitung Financial Times Deutschland bereits seit einiger Zeit auf partnerschaftlicher Basis mit YouTube zusammen. Welche der 110 börsennotierten Konzerne aus DAX, MDAX und TecDAX das kostenfreie Bewegtbildportal ebenfalls nutzen, um ihr Unternehmen oder ihre Dienstleistungen vorzustellen und vor allem in welcher Art und Weise dies geschieht, ist Gegenstand der neuesten Studie der Kölner Online-Kommunikationsberatung NetFederation.

Sie sehen, dass Sie nichts sehen

Mit etwa 65.000 neu hochgeladenen Videos pro Tag und rund 100 Millionen angesehenen Clips (Quelle: Wikipedia.de; Stand: Oktober 2006) behauptet das Videoportal YouTube eindeutig die Marktführerschaft in diesem Sektor und erfreut sich unter der breiten Bevölkerung täglich zunehmender Beliebtheit. Dies erscheint merkwürdig vor dem Hintergrund, dass unter den 110 börsennotierten Konzernen der drei wichtigsten deutschen Indizes gerade einmal magere 21 Unternehmen einen eigenen Channel auf YouTube unterhalten. Insgesamt kommt dieser Kreis von namhaften Konzernen lediglich auf 42 Channels von denen rund 79 Prozent nicht in der Landessprache sondern in englisch betrieben werden.

Fast die Hälfte aller youtubenden Unternehmen, nämlich ganze 47,6 Prozent, nutzen den Channel ausschließlich zur Veröffentlichung von Produktvideos und Innovationsvorstellungen, die anderen Konzernpräsenzen beschäftigen sich mit speziellen Themen wie beispielsweise Events oder Sponsoringaktivitäten sowie mit der Darstellung der eigenen Gesellschaft. Auch was die Anzahl der betriebenen Channels angeht, gibt man sich verhalten. Zwölf von einundzwanzig Konzernvideobloggern nutzen indes nur einen einzigen Kanal, darunter auch Branchengrößen wie der Chemie- und Pharmakonzern Bayer, der Automobilhersteller Daimler oder das Metzinger Mode Label Hugo Boss.

Ein echter Tausendsassa in Sachen YouTube ist der Softwareriese SAP, der sechs Channels betreibt und sich damit deutlich vom DAX-Durchschnitt abhebt. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Inhalten bietet SAP seinen Kunden unter dem Namen „Run SAP“ filmische Beratung und Produktsupport. Die meisten Abonnenten haben mit etwa 8.800 die Channels des Münchner BMW-Konzerns. Verglichen mit einem Durchschnittswert von 49 Interessenten ist diese Marke beachtlich. Ähnlich verhält es sich bei der Anzahl der gesamten Seitenaufrufe. Liegt der Schnitt bei rund 18.600 so schießt diese Zahl beim Sportartikelhersteller adidas in astronomische Höhen von fast 5.4 Millionen. Was die Anzahl und die Gesamtdauer der Inhalte angeht liegt ebenfalls SAP mit knapp 290 Clips und rund 17,5 Stunden Gesamtzeit an der Spitze. Im Durchschnitt kommt jedes Unternehmen auf eine Gesamtdauer von rund drei Stunden Spieldauer. Zusammengenommen kommen alle auf YouTube präsenten Konzerne der DAX-, MDAX- und TecDAX-Indizes auf eine Gesamtvideolänge von über zwei Tagen.

Das Ende des Tunnels ist noch weit

In der Gesamtbetrachtung zeigt sich, dass für viele Unternehmen großes Entwicklungspotenzial in Sachen YouTube-Kommunikation vorhanden ist. Aktuell engagieren sich vorrangig lediglich diejenigen Konzerne, die ohnehin eine hohe Medienpräsenz zeigen. Dabei wird der YouTube-Channel vielfach als zusätzlicher Werbekanal für Produkte und Dienstleistungen genutzt, nur in Einzelfällen aber zur Verbreitung von Unternehmensinformationen. Dennoch reicht ein hoher Bekanntheitsgrad eines Unternehmens nicht aus, um auch entsprechenden Anklang auf der Video-Plattform zu finden. Wichtig ist vielmehr zum einen die Veröffentlichung von relevanten und interessanten Clips sowie das regelmäßige Publizieren von Inhalten. Berücksichtigt man diese Grundregeln, steht einer wachsenden Gemeinde an Abonnenten nichts mehr im Wege. Wie auch das Beispiel des englischen Silversurfers Peter eindrucksvoll beweist.